Nov 22
Haarausfall bei PCOS

Akne, Haarausfall und Hirsutismus

Es ist zum Verzweifeln! Dort, wo man die Haare nicht gebrauchen kann, wachsen sie unmäßig. Das Haupthaar hingegen wird immer dünner oder lichtet sich sogar großflächig.
Die Symptome von PCOS können sich zu einem wahren Albtraum für uns Frauen entwickeln. Leider ist dieser Albtraum Realität für die meisten PCOS-Patientinnen.
Für dich auch?
Jemand, der dieses Problem nicht selbst gehabt hat, wird sich kaum vorstellen können, was es bedeutet, jeden Morgen eine gefühlte Ewigkeit mit der Pinzette vor dem Spiegel zu verbringen. Auch Pickel, die jenseits der Teenagerjahre auftreten, stellen das Selbstbewusstsein täglich auf die Probe. Und wer morgens nach dem Aufstehen massenhaft Haare auf dem Kopfkissen findet, möchte wohl am liebsten vor Verzweiflung und Wut in selbiges beißen.

Anders als ein Ausbleiben der Periode lassen sich Hirsutismus, Haarausfall und Akne nur sehr schwer verbergen und widersprechen dem Bild, das sich unsere Gesellschaft von der “perfekten” Frau macht.
Ein strahlender, makelloser Teint, eine volle Löwenmähne und natürlich Haarlosigkeit am restlichen Körper – so werden Frauen in Filmen und Zeitschriften präsentiert.
Dass man selbst diesem Bild nicht oder nur teilweise gerecht werden kann, schmerzt.
Sehr oft fragte ich mich in der Vergangenheit, warum mir mein Leben von meinem Körper derart schwer gemacht wurde. Ich war verzweifelt, mutlos, manchmal auch hasserfüllt.
Ich hätte alles getan, um endlich eine schöne, reine Haut zu haben.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was ich tatsächlich hätte tun können.
Heute weiß ich es glücklicherweise!

Doch bevor wir zu Lösungswegen kommen, schauen wir uns erst einmal den Hauptgrund für unsere Probleme an.

Egal ob dich Haarausfall (Androgenetische Alopezie), unerwünschter Haarwuchs (Hirsutismus) oder Akne plagen, Schuld ist wahrscheinlich ein Übermaß an männlichen Hormonen. Dieses Zuviel an Androgenen (Hyperandrogenisierung)  ist gleichzeitig auch eines der Kriterien, die zur Diagnose von PCOS dienen.

Testosteron wird mit Hilfe des Enzyms 5-alpha-Reduktase zu DHT (Dihydrotestosteron) umgewandelt. Dieses Androgen erhöht die Talgproduktion in den Talgdrüsen, was dazu führt, dass die Poren verstopfen und sich Bakterien ansammeln. Dies führt letztendlich zu der Entzündung, die du als Pickel wahrnimmst.

Auch auf unser Kopfhaar bzw. die Haarfollikel wirkt sich DHT im Gegensatz zu Östrogen sehr negativ aus. Die Wachstumsphasen werden verkürzt und die Haarwurzeln schrumpfen bzw. verkümmern im Lauf der Zeit. Die Folge ist Haarausfall. In allen Bereichen, die von Hirsutismus betroffen sein können, passiert jedoch das Gegenteil! Die Haarwurzel verbreitert sich unter dem Einfluss von DHT und das ursprünglich kaum sichtbare Vellushaar wandelt sich zu dem deutlich stärker pigmentierten und dickeren Terminalhaar.

Du kannst gezielt etwas gegen die männlichen Hormone tun. Zum einen, indem du durch eine auf PCOS ausgerichtete Ernährung verhinderst, dass in den Eierstöcken zu viel Testosteron gebildet wird. Eine Insulinresistenz, die viele Frauen mit PCOS haben, begünstigt nämlich leider die Bildung von Testosteron. Deswegen solltest du an diesem Punkt ansetzen. Die Ernährung ist dein absolut wichtigstes Werkzeug, um mit PCOS klarzukommen.

Zusätzlich kannst du versuchen, das Enzym 5-alpha-Reduktase zu hemmen, sodass eine Umwandlung von Testosteron zu DHT gar nicht erst stattfindet.

 

So reduzierst du die männlichen Hormone

1. Ernährungsumstellung
Wenn du deinen Insulinspiegel im Griff hast, drosselst du automatisch die Androgenproduktion.
Informiere dich hier über die richtige Ernährung bei PCOS

2. Krause Minze (Spearmint)
Trinke täglich ungesüßten Tee aus marokkanischer bzw. krauser Minze (Achtung: keine Pfefferminze!). Er reduziert das Testosteron im Körper.

3. 5-alpha-Reduktase-Hemmer
Verringere die Produktion von Dihydrotestosteron (DHT) durch natürliche 5-alpha-Reduktase-Hemmer.

Die besten 5-alpha-Reduktase-Hemmer sind:

  • Grüner Tee

Das im grünen Tee enthaltene Epigallocatechingallat (EGCG) ist ein erwiesener 5-alpha-Reduktase-Hemmer. Am besten nimmst du EGCG in Kapselform ein, da es durch das Trinken von grünem Tee kaum möglich ist, eine wirksame Menge (min. 400 mg pro Tag) zu erreichen.
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  • Sägepalme – Saw Palmetto

Sägepalmextrakt wird häufig Männern empfohlen, um damit unter anderem Haarausfall zu bekämpfen. Doch auch uns hilft es dabei, die Umwandlung von Testosteron zu DHT zu verhindern.
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  • Reishi

Reishi ist ebenfalls ein wirksamer 5-alpha-Reduktase-Hemmer, sollte allerdings bei Autoimmunkrankheiten wie Hashimoto oder Lupus vermieden werden. Ich nehme pro Tag 3 Kapseln mit je 500 mg Reishi.
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Tipps bei Haarausfall

Neben dem Übermaß an männlichen Hormonen gibt es vor allem zwei Gründe, die zu Haarausfall führen können:

  1. Oxidativer Stress
    Es ist mittlerweile bekannt, dass Frauen mit PCOS an niedriggradigen chronischen Entzündungen leiden, die meist unbemerkt, jedoch nicht folgenlos bleiben. Unter anderem führen diese Entzündungsherde zu oxidativem Stress, der Zellen in unserem Körper schädigt. So auch unsere Haarfollikel
  2. Eisenmangel
    Ob ein Eisenmangel vorliegt, kann durch die Messung der Ferritin-Werte ermittelt werden. Ferritin ist ein Eiweiß, das Eisen speichert.
    Grundsätzlich gilt man ab einem Wert von 50 µg/l als ausreichend versorgt. Hat man jedoch androgenetische Alopezie, empfehlen auf PCOS spezialisierte Ärzte einen Wert von 80 µg/l.

Du kannst durch gezielte Maßnahmen versuchen, wieder volleres Haar zu bekommen oder zumindest den Haarausfall zu stoppen. Denn unbehandelt schreitet die Alopezie fort. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du beim Arzt die entsprechenden Werte ermitteln lässt, damit du weißt, ob du beispielsweise einen Eisenmangel hast oder es wirklich an den Hormonen liegt.
Außerdem muss dir bewusst sein, dass du viel Durchhaltevermögen und Geduld brauchen wirst. Sei nicht enttäuscht, wenn du erst nach 6 Monaten Verbesserungen feststellen wirst.
Allgemein gilt auch hier: eine gesunde bzw. auf PCOS abgestimmte Ernährung ist das A und O.

  1. Behebe einen eventuell vorhandenen Eisenmangel
  2. Bekämpfe Entzündungen und damit verbundenen oxidativen Stress durch den Verzehr von viel Rohkost und die Einnahme von Vitamin D sowie Omega 3 Fettsäuren
  3. Besorge dir 5-alpha-Reduktase-Hemmer zur Reduzierung von Dihydrotestosteron (DHT)

 

Tipps bei Akne und unreiner Haut

Wenn du deine Akne loswerden möchtest ist das erheblich leichter und schneller möglich als z.B. den unerwünschten Haarwuchs. Du wirst bei einer konsequenten Umsetzung der Ernährungstipps schnell Erfolge sehen. Sehr wirkungsvoll bei Akne ist auch Basenfasten. Weitere Infos dazu findest du im Internet oder in diversen Büchern.
Zusätzlich kannst du dir zur äußerlichen Anwendung Hinoki-Öl besorgen. Das Öl der japanischen Zypresse (Chamaecyparis obtusa) bzw. Hinoki-Baumes hat sich bei der Bekämpfung von Akne im Vergleich zu Teebaumöl als deutlich wirksamer erwiesen. Es sorgt bei täglicher Anwendung für eine Verkleinerung der Talgdrüsen und einer Reduzierung der Talgproduktion. Trage das Öl am besten zweimal täglich auf.

 

Tipps bei Hirsutismus

Ist das fies! Die Einwirkung von DHT verursacht am Oberkopf ein Schrumpfen der Haarfollikel und einen Eintritt des Haares in die telogene Phase, was zu Haarausfall führt. Wenn du Hirsutismus hast, bewirkt DHT jedoch das genaue Gegenteil. Erste Schritte zur Bekämpfung der zweifelhaften Haarpracht stellen also auch hier die Reduzierung der Androgene durch eine Ernährungsumstellung und der Einsatz von 5-alpha-Reduktase-Hemmern dar.
Du kannst auf jeden Fall verhindern, dass sich immer mehr Flaumhaar in Terminalhaar verwandelt.
Ich würde dir bei starkem Hirsutismus raten, zuerst deinen Hormonhaushalt zu stabilisieren und so ein Voranschreiten zu unterbinden und danach die Haare per Laser- oder Elektroepilation entfernen zu lassen.
Wenn du nur unter sehr leichtem Hirsutismus leidest, bekommst du das Problem mit den beschriebenen Maßnahmen vielleicht sogar ohne Haarentfernung in den Griff.
Auf jeden Fall ist es aber sehr wichtig, dass du dauerhaft auf deine Ernährung achtest, denn sobald die Hyperandrogenisierung wieder einsetzt, beginnen deine Probleme von neuem. In diesem Fall wird deine angeblich dauerhafte Haarentfernung nur von begrenzter Dauer sein.